Sehr geehrter Herr Stadtrat,
bezugnehmend auf die drei aktuellen Studien der Wiener Wohnbauforschung zum o.a. Thema, die nach den Worten der Rathauskorrespondenz "eine wichtige Faktengrundlage für die eingehende Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema" bilden und auch in den Medien ihren Niederschlag gefunden haben, verweisen wir - wieder einmal - auf das für unsere Wohnhausanlage nach wie vor offene Thema Hanakgasse 1A, wo als Unikat im Wiener Gemeindebau genau den in den Berichten erwähnten Erfordernissen schon in den 50er-Jahren Rechnung getragen worden ist:
- Altersgerechte Wohnformen - als "Inserts" in bestehende Wohnsiedlungen integriert / Integration alter(n)sgerechter Wohnformen im geförderten Wohnungsbau / Einplanung von WGs und Wohngruppen für SeniorInnen - "Älter werden - individuell wohnen"
- Gemeinschaftlich zusammen leben, aber jeder für sich eine private Wohnung
- Gemeinschaftliche Wohnform in einem kleinen, offenen "Dorf" als (sonst ja fehlende!) Variante eines tatsächlich möglichst maßgeschneiderten Wohnungsangebots
- Nachbarschaftliche Unterstützungsangebote durch aktiver und gesünder gebliebene Mitbewohner / sich in reiferen Jahren gegenseitig im Alltag unterstützen / aktive Wohngemeinschaft / schon von der Bauform und Gestaltung her mehr Teilhabe ("Leben vor der Tür") / dem zunehmenden Phänomen der Singularisierung entgegenwirken
- Alternative außerfamiliäre soziale Netzwerke / Integration in eine Gemeinschaft, die Einsamkeit und Isolation im Alter vorbeugt
- Kommunikation und gute Nachbarschaft durch den dörflichen Charakter und die Besuchsmöglichkeit der großzügigen, wunderschönen Grünanlage auch durch Bewohnern von außerhalb dieses Anlagenteiles
- Wohnen in einem offenen Mehrgenerationenbereich / KEINE reine "Altensiedlung" durch Integration auch junger Menschen, die z.B. an den Rollstuhl gefesselt sind und durch Besucher (z.B. Spaziergänger mit Hunden, Verweilenden auf den Bänken und bei Tischen)
- Alte Menschen, "die aufgrund ihrer sich positiv im Wohnumfeld auswirkenden persönlichen Potentiale höchste Wertschätzung verdienen, durch den gegebenen laufenden Kontakt als einen sehr wertvollen Schatz für die Gesellschaft wahrnehmen , da diese im Schnitt höher gebildet sind und andere Bewohnerinnen und Bewohner an ihrer reichen Lebenserfahrung teilhaben lassen" (Zusammenstellung von Zitaten aus den Berichten)
- Finanzierbarkeit von Wohnen für Senioren und Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung
- Wohnungswechsel innerhalb der riesengroßenWohnhausanlage - von einer großen zu einer kleineren oder in eine tatsächlich barrierefreie Wohnung - ohne massiveren Wechsel der Umgebung und ohne Umbauerfordernisse für die zuvor bewohnte Wohnung
- Gemeinschaftsräume, die von Organisationen bespielt werden (z.B. Pensionistenklub wenige hundert Meter vom Anlagenteil entfernt).
Die Kooperation mit sozialen Dienstleistern ist insoweit leicht möglich, als man das ehemalige Häuschen der MA 42 als kleinen fixen Stützpunkt vor Ort nützen könnte.
Wie man durch einen Vergleich mit den Berichten feststellen kann wurden zuvor Begriffe verwendet, die den aufgelisteten Studienergebnissen entnommen sind.
Alle diese Punkte aus den Studien bestätigen also dezidiert, warum wir nach wie vor so um die Erhaltung dieser Besonderheit im Wiener Gemeindebau bemüht sind!
Genau dieses Zusammenleben von Menschen a) mit körperlicher Beeinträchtigung und b) in fortgeschrittenen Jahren in diesem Häuserkomplex Hanakgasse 1A und in dieser speziellen Form war schon beim Treffen Kennedy - Chruschtschow im Juni 1961 ein Wiener Vorzeigeprojekt für eine mustergültige Bewohner-Gemeinschaft - und kann auch in Zukunft wieder eines sein.
Dazu bräuchte man lediglich dem seit schon über viele Jahre hinweg um diesen Anlagenteil inmitten des Hugo Breitner Hofes schwelenden
Skandal ein wenigstens
versöhnliches Ende zu setzen, indem man die
den Bewohnern des Hugo Breitner Hofes schriftlich gegebenen Versprechen von Wiener Wohnen aus dem November 1998 endlich hält, diesen
Anlagenteil saniert bzw. wiederherstellt (statt eine
massive Verbauung dieses einzigartigen Areals zu veranlassen, wie offensichtlich geplant) und
wieder in die wirtschaftliche Einheit des Hugo Breitner Hofes integriert, der ja - laut o.a. Zusage von Wiener Wohnen - eine unveränderte wirtschaftliche Einheit hätte bleiben sollen.
Bei der Sanierung bzw. Wiederherstellung sind zur eigentlichen Barrierefreiheit von bestehenden Wohnungen keine Liftzubauten erforderlich, ja nicht einmal die Einrichtung von Rampen. Die Nutzer sind insoweit schon "in der Planungsphase eingebunden" gewesen, als sich die Mieter schon in der Vorbereitung der Sanierung und den diesbezüglichen Verhandlungen nachweislich ganz massiv für die Erhaltung des Anlagenteiles Hanakgasse 1A in der bisherigen Form eingesetzt haben. Lediglich Wiener Wohnen führte offenbar etwas ganz anderes im Schilde ...
Für den Mieterbeirat im Hugo Breitner Hof
hochachtungsvoll
Gerhard Kuchta
(Schriftführer)