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Die "Alte Leute Siedlung" - ein verlorenes Paradies?


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Die Entwicklungsgeschichte seit der Absiedelung der letzten Bewohner im Jahr 2006 - ja schon davor seit Beginn der Sanierung unserer Wohnhausanlage - ist ebenso unlustig, wie der Zustand dieses Anlagenteils heute (April 2018). Ein Video aus dem April…

Wasserschaden Hanakgasse 6


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Entwicklung vom 24. - 27.11.2017

Gasleitungs-Arbeiten 10-2017


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Situationsbericht 9./10.10.2017 Nikischgasse (Ostseite).

Wiens Parteien rüsten sich für die Wien-Wahl im Herbst. Ein zentrales Wahlkampfthema zeichnet sich schon jetzt ab: Wohnen. Insbesondere der Wiener Gemeindebau wird von den Parteien ins Visier genommen. Die regierende Rot-Grün-Koalition verspricht die Errichtung neuer Gemeindebauten in den kommenden Jahren und die Schaffung günstiger Wohnungen. Doch auch andere Wahlkampfthemen tauchen in der Arena Gemeindebau auf, zeigt ein Lokalaugenschein.

Konfliktpotenzial und Aufstiegschance

Der Gemeindebau am Friedrich-Engels-Platz im 20. Wiener Gemeindebezirk ist der zweitgrößte Wiens. 1.400 Wohnungen gibt es in der riesigen Wohnanlage. Bei einem Lokalaugenschein in den großzügigen, grünen Innenhöfen wird aber klar: Zusammenleben stellt auch eine Herausforderung dar. Dennoch zeigen sich die Gemeindebaubewohner froh, eine günstige Wohnung mitten in der Stadt zu haben. Auch wenn Hilfe von öffentlichen Stellen manchmal auf sich warten lässt.

Eine grüne Oase mitten in der Stadt: Im ersten Innenhof der „Wohnausanlage Engelsplatz“ werden die Bewohner von Wiese, Bäumen und Plätzen zum Verweilen begrüßt. Auf den ersten Blick bietet die Anlage eine Idylle mitten in der Stadt. Edith, die gerade mit ihrem Hund spazieren geht, wohnt seit den 50er Jahren im Gemeindebau im 20. Wiener Gemeindebezirk. „Es hat sich alles geändert“, sagt die Pensionistin und deutet auf den Müllplatz. „Überall liegt Müll herum, alles schaut aus. Wenn in der Früh die Hausbesorger aufräumen, ist am Abend wieder alles voll.“ Warum Müllsäcke einfach neben die Mistkübel geschmissen werden, versteht die rüstige Pensionistin nicht.

Anteil der Gemeindewohnungen am Gesamtwohnungsmarkt (je Bezirk).

Gemeindebau ist nicht gleich Gemeindebau

Ein Viertel der Wiener Bevölkerung lebt in einer der rund 220.000 Gemeindebauwohnungen, die über alle 23 Wiener Stadtbezirke verstreut sind. Somit ist die Gemeinde Wien der wichtigste Wohnungseigentümer der Stadt. Gemeindebau ist dabei nicht gleich Gemeindebau. Bei den knapp 2.000 Gemeindebaukomplexen gibt es neben den großen „Volkswohnpalästen“ der Zwischenkriegszeit wie dem Karl-Marx-Hof auch viele kleinere Wohneinheiten im Zentrum und auch am Stadtrand von Wien.

Viele große europäische Städte wie London und Paris haben mit Ghettoisierung und Segregation zu kämpfen. Im Vergleich zu anderen Städten sei die Segregation in Wien vergleichsweise gering geblieben, erklärt Christoph Reinprecht, Professor am Institut für Soziologie an der Universität Wien, gegenüber ORF.at. Natürlich gebe es in Wien auch Formen der Segregation, also Gegenden, in denen bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders stark vertreten seien. Allerdings sei das in Wien nur sehr punktuell, so der Soziologe.

Umzug: „Keine Option“

Veronika, die seit knapp vier Jahren im Gemeindebau wohnt, ist froh, dort untergekommen zu sein, wie sie ORF.at beim Lokalaugenschein erzählt. „Sonst würde ich auf der Straße leben“, schildert die Mittfünfzigerin. Die gebürtige Steirerin ärgert sich aber über Ruhestörungen am Abend. Auch Edith fühlt sich dadurch belästigt. Auf die Frage, was sie dagegen unternimmt, antwortet Edith mit einem Lachen: „Nichts! Da kannst nichts machen.“ Ein Umzug ist aber für beide Frauen keine Option. „Wohin denn?“, fragt Veronika. Immerhin habe sie die Wohnung in einer Notlage bekommen.

Auf die Frage, was die Politik zur Besserung beitragen könnte, winkt Edith ab. „Zur nächsten Wahl werde ich gar nicht mehr gehen“, sagt sie resigniert. Veronika will im Herbst schon ihre Stimme abgeben, jedoch nicht mehr für jene Partei die sie eigentlich immer gewählt habe.

Politisch gesehen gelten die Gemeindebauten als Bastionen des „Roten Wiens“. Bei der vergangenen Gemeinderatswahl 2010 gab es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an SPÖ-Wählerinnen und -Wählern im Gemeindebau. Das trifft auch auf die FPÖ zu, wenn auch nicht im selben Ausmaß. Doch die Freiheitlichen sind für viele attraktiv geworden, von „den Roten“ fühle man sich oft nicht mehr vertreten.

Wahlkampfthema Ausländer und Gemeindebau

Die FPÖ war es auch, die im Februar dieses Jahres in einer Anfrage an den Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) wissen wollte, wie viele Gemeindewohnungen an Ausländer vergeben werden. Ein Thema, das viele der „alteingesessen Österreicher“ im Gemeindebau sehr beschäftigt. Tatsächlich wurden aber nur knapp vier Prozent der Gemeindewohnungen an Drittstaatenangehörige vergeben. Also an Menschen, die zwar über einen langfristigen Aufenthaltstitel in Österreich verfügen, aber weder österreichische noch EU-Staatsbürger sind. Der Anteil ist damit niedriger als in der Stadt insgesamt. Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft dürfen überhaupt erst seit 2006 in den Gemeindebau einziehen.

Schnelle Veränderungen und Alteingesessene

Gleichzeitig habe die Stadt Wien vor allem in den 90er Jahren sehr großzügig eingebürgert, betont der Soziologe Christoph Reinprecht. Zu dieser Zeit war es für Nicht-Österreicher noch nicht möglich, in Gemeindewohnungen einzuziehen. Es zogen aber immer mehr Eingebürgerte in den Gemeindebau. Heute ist der Anteil der Eingebürgerten in den städtischen Wohnanlagen höher als im Durchschnitt der Stadt. Diese schnelle Veränderung sei oft ein Grund für die Frustration und die Entfremdung der Menschen, so Reinprecht.

„Keine Luxuswohnungen“

Auf einer Parkbank in der Sonne sitzen Bayran und Sewket. Beide leben schon seit Jahrzehnten in Österreich und seit nahezu zehn Jahren im Gemeindebau. Auch sie stört das Verhalten vieler Hausbewohner. „Es gibt schon schlimme Leute“, sagt Bayran. „Die verbrennen Infotafeln, schmeißen ihre Zigarettenstummel ins Stiegenhaus oder zerbrechen die Glasfenster der Haustüre.“ Und günstig seien die Mieten im Gemeindebau auch nicht mehr. „Die Wohnungen hier sind über 70 Jahre alt. Das sind keine Luxuswohnungen“, beschwert sich Sewket.

Von der Stadt Wien gab es in den letzten Jahren immer wieder Kampagnen, um den Gemeindebau attraktiver zu gestalten. seit 2010 gibt es das Projekt Wohnpartner, das Streitereien zwischen Mietern durch Mediation, also quasi durch einen Streitschlichter, lösen soll. Zudem gehen Renovierungen von Gemeindebauten weiter, und auch eine leicht verständliche Hausordnung wurde vom Wohnbauressort erstellt. Trotzdem gibt es immer wieder öffentliche Kritik an Missständen in einigen Gemeindewohnungen, wie etwa Schimmel.

Aufstieg und Absicherung

Eine junge Mutter, die am Spielplatz ihrem Sohn beim Schaukeln zuschaut, lebt gerne im Gemeindebau in Wien Brigittenau. Seit 13 Jahren haben sie und ihre Familie bereits die Wohnung. Die aus der Türkei stammende Frau ist froh darüber, in einer der rund 1.400 Wohnungen am Friedrich-Engels-Platz untergekommen zu sein. Laut Wohnbaustadtrat Ludwig warten derzeit rund 16.500 Personen auf eine geförderte Wohnung. Jährlich gibt es zwischen 10.000 bis 11.000 Neuvergaben.

Trotz Kritik verschiedener Seiten hebt Universitätsprofessor Reinprecht die positiven Seiten des Gemeindebaus hervor: „Für Menschen mit Migrationshintergrund bedeutet der Einzug in den Gemeindebau zumeist einen sozialen Aufstieg und vor allem einen Ausstieg aus unsicheren Wohnverhältnissen. Hier ist der Gemeindebau eine Möglichkeit für einen sozialen Aufstieg und Sicherheit. Das erleben die Menschen auch so.“

Dass die etablierten Gemeindebaubewohner auf neue Nachbarn empfindlich reagieren, sei nachvollziehbar. Die unterschiedlichen Erwartungen an den Gemeindebau und auch die unterschiedliche Nutzung der öffentlichen und privaten Räume führen laut dem Soziologen zu Konflikten. Auf engem Raum treffen oft sehr verschiedene Lebenswelten aufeinander.

„Es ist nicht alles schlecht“

Zurück am Friedrich-Engels-Platz. Karim und Arian leben seit ihrer Kindheit im Gemeindebau. Die beiden Jugendlichen sind mit ihren Rädern unterwegs und erzählen, dass es schon öfter „Stress“ gibt. Am Abend sei es oft laut in den Innenhöfen. Da gebe es dann Streitereien, wenn sich „alte Leute beschweren“. Sie selbst wohnen aber gerne in der Wohnanlage. Immerhin gibt es viel Freiraum, und ihre Freunde leben auch hier.

„Soziale Durchmischung in Gemeindebauten“, für die seitens der Politik geworben wird, ist für Reinprecht nur ein Slogan. Für die soziale Integration sei es vielmehr wichtig, dass alle gesellschaftlichen Gruppen im öffentlichen Raum sichtbar sind und diesen Raum gemeinsam nutzen. Der Soziologe nennt hier den fünften Wiener Gemeindebezirk Margareten als Beispiel.

Dieser habe sich von einem klassischen Arbeiter- und Kleinhandwerkerbezirk stark weg entwickelt: „Der Wohnungsmarkt bewegt sich, die Mieten steigen, die Dachgeschoße werden ausgebaut, und die Mittelschichten ziehen vermehrt dorthin. Aber durch die starke Präsenz von Gemeindebauten bleiben auch Menschen mit niedrigeren Einkommen dort. Und dadurch kommt es natürlich auch zu einer sozialen Durchmischung im Bezirk.“

Ist der klassische Gemeindebau noch attraktiv?

Der Wiener Gemeindebau der Zwischenkriegszeit wollte alles in sich vereinen: günstige Wohnungen, viel Grünraum und auch gemeinschaftliche Einrichtungen wie Büchereien, Kindergärten und Geschäfte. Von den Geschäftslokalen sind im Gemeindebau in Brigittenau nicht viele geblieben. Einen kleinen Supermarkt und eine Modeboutique gibt es noch. Inmitten farblich sortierter Kleidung steht Margarethe, eine gepflegte Dame Ende 50. Früher habe es im gesamten Hof Geschäfte gegeben, erzählt sie, einen Schuster und einen Putzer beispielsweise. Damals hätten auch viele Leute aus dem Gemeindebau in der Modeboutique eingekauft, jetzt sei das anders. „Jetzt wohnt eine andere Kultur hier, und die sind nicht mehr unsere Kunden.“

Nebenan betreibt Emrah einen kleinen Supermarkt und verkauft auch Pizzaschnitten und Döner Kebab. Probleme gebe es im Großen und Ganzen keine im Gemeindebau. „Mit dem Vorbesitzer gab es öfters Streitereien“, räumt er aber ein. Der habe das Geschäft aber auch eher als Lokal geführt. Seit Emrah das Geschäft vor zwei Monaten übernommen hat, gibt es keinen Alkohol mehr, und im Laden herrscht striktes Rauchverbot. Er wirkt zufrieden und auch ein wenig stolz.

Vor dem Geschäft sitzt eine dreiköpfige Familie. Alle essen genüsslich Eis. Dass Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) wieder Gemeindebauten bauen will, haben sie bereits gehört. „Wenn die Durchmischung gut ist, dann funktioniert es auch“, meint die Frau. Und wie ist die Durchmischung hier am Friedrich-Engels-Platz? Die Frau schmunzelt nur und widmet sich wieder ihrem Eis.

Miriam Beller, Juliane Nagiller, Philipp Maschl, ORF.at

Billiges Wohnen als Wahlkampfthema

Es wird eines der zentralen Wahlkampfthemen bei der Wien-Wahl im Herbst: Wohnen. Gerade in Wien steigt durch den stetigen Zuzug die Nachfrage an Wohnraum. Politisch ist das ein oft hitzig diskutiertes Thema. Spätestens seit der Ankündigung der SPÖ, nach über einem Jahrzehnt wieder Gemeindebauwohnungen zu errichten, bringen sich die Parteien mit ihren Forderungen und Ideen zum Thema billiges Wohnen in Stellung.

Geht es nach der SPÖ, sollen bis zu 50.000 neue Wohnungen in der nächsten Legislaturperiode in der Bundeshauptstadt errichtet werden. Der Gemeindebau erlebt seine Wiedergeburt und soll billigen Wohnraum in Wien bieten. Laut dem Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) wird die Bruttomiete für neue Gemeindebauwohnungen 7,50 Euro pro Quadratmeter betragen.

Achten wollen die Sozialdemokraten auf die „soziale Durchmischung“, sprich: Es soll weiterhin eine Einkommensobergrenze für Gemeindebaubewohner geben. Verdienen diese nach ihrem Einzug mehr, dürfen sie in der günstigen Wohnung bleiben. Derzeit liegt die Einkommensobergrenze bei einem Zweipersonenhaushalt bei 65.500 Euro im Jahr, das ist umgerechnet ein Monats-Nettoeinkommen von 5.500 Euro.

Kampf um die Postwurfsendungen: der Gemeindebau und die Frage des Wohnens werden großes Thema bei der Wien-Wahl im Oktober sein

Grüne wollen Wohnungen für Geringverdiener

Hier gibt es Unterschiede zum Regierungspartner. Die Grünen sprechen sich zwar ebenfalls für den sozialen Wohnbau aus, fordern aber ausreichend Wohnungsangebote für Menschen im unteren Einkommensdrittel. Zudem soll ein Viertel der Wohnungen für Menschen mit besonders geringem Einkommen reserviert werden. Geht es nach dem SPÖ-Regierungspartner, könnte hier die derzeitige Einkommensgrenze um bis zu ein Drittel gesenkt werden. Gutverdiener hätten demnach keine Chance auf eine geförderte Wohnung.

Einigkeit besteht zwischen Grünen und SPÖ bei dem Punkt der sozialen Durchmischung. Auch für die Grünen gilt: Wenn nach dem Erhalt einer geförderten Wohnung das Gehalt steigt, soll niemand aus seiner Wohnung ausziehen müssen.

FPÖ: Österreicher bevorzugt behandeln

Die Wiener Freiheitlichen sprechen sich seit Jahren für die Schaffung von Gemeindewohnungen aus. Bis zu 5.000 billige Wohnungen sollen jährlich entstehen, so die Forderung der FPÖ. Zudem soll es eine „Sanierungsoffensive“ geben, um alte Bauten „wieder in Schuss zu bringen“. Bei der Vergabe von geförderten Wohnungen wollen die Wiener Freiheitlichen Österreicher bevorzugen. Die FPÖ will nur Zuwanderern, „die Integrationsbereitschaft zeigen“, geförderte Wohnungen zusprechen.

Andere Pläne hat die Volkspartei in Wien. Sie will Eigentum stärker fördern und nannte die Ankündigung, wieder Gemeindebauten zu errichten, einen „PR-Gag“ und einen „Retro-Wahlkampfschmäh“. Die Forderung der ÖVP: nicht nur in Gemeindebauten investieren, sondern auch in Eigentumswohnungen. Konkret wünscht sich die Volkspartei ein gleiches Verhältnis zwischen dem Bau neuer Gemeindebauten und geförderten Eigentumswohnungen „als klares Angebot für den Mittelstand“.

Handlungsbedarf ortet die Wiener ÖVP auch bei der Vergabe von Gemeindebauwohnungen. Ihr Wunsch ist eine regelmäßige Überprüfung der „sozialen Bedürftigkeit“ der Gemeindebaumieter. Wer besser verdient, soll entweder ausziehen, mehr Miete zahlen oder die Möglichkeit haben, die Wohnung zu kaufen. Mehreinnahmen sollen dann in eine Bauoffensive im geförderten Wohnbau fließen.

NEOS für billigen Gemeindebau und Eigentum

Ähnlich lesen sich die Visionen von NEOS, das im Oktober erstmals in den Wiener Gemeinderat einziehen will. Die Partei ist für den Bau von geförderten Eigentumswohnungen, setzt aber auch auf neue Gemeindebauten, die als günstige Mietwohnungen zur Verfügung gestellt werden sollen. Hier gibt es die Forderung nach einem Einkommensmonitoring. Das heißt: Steigt das Haushaltseinkommen, steigt die Miete. Sinkt hingegen das Einkommen, dann werden auch die monatlichen Wohnungskosten heruntergesetzt. NEOS spricht sich zudem für eine transparentere Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen aus. Das könne beispielsweise durch eine anonymisierte Onlineveröffentlichung erfolgen.

Aufbau für den Zuzug

Wenn die Stadt Berlin den Wohnungsneubau für sich wiederentdeckt und dabei fürs Fact-Finding in Wien nach Modellen Ausschau hält, dann fällt auf, dass zwei europäische Metropolen mit immer noch dominantem Mieter- statt Eigentümerbestand vor recht ähnlichen Herausforderungen stehen. Eine davon ist, an attraktive wie günstige Standorte zu kommen, um darauf finanzierbare Wohneinheiten errichten zu können.

Für Berliner Verhältnisse erscheint der soziale Wiener Wohnbau durchaus wie eine Messlatte: Betreibt Berlin in den vergangenen Jahren so gut wie keinen sozialen Wohnungsneubau, so baut Wien pro Jahr 7.000 geförderte Wohneinheiten. „Neubau war in Berlin über Jahre hinweg überhaupt kein Thema“, so die Chefin der größten kommunalen Berliner Wohnungsbaugesellschaft degewo, Kristina Jahn, bei einem Besuch in Wien.

Man habe knapp nach der Wende zu bauen begonnen, doch die Nachfrage sei ausgeblieben, sagte Jahn gegenüber ORF.at. Doch die Zeiten änderten sich und sie erinnerte an den jährlichen Zuzug von 45.000 Menschen in Berlin. Das etwa halb so große Wien kalkuliert derzeit mit einem Zuzug von 25.000 Personen pro Jahr.

Berlin verschreibt sich dem Wohnungsneubau

Der jüngste Umbau der Berliner Regierung brachte auch eine Wende in der Wohnbaupolitik an der Spree. Der neue Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) war zuvor Bausenator - und die Stadt erkannte, dass sie neuen, finanzierbaren Wohnraum schaffen muss. „Berlin wächst“, sagte etwa auch Andreas Geisel, Berliner Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, zu ORF.at: „Um die große Wohnungsnachfrage zu befriedigen, müssen in den nächsten zehn Jahren über 100.000 neue Wohnungen entstehen.“ Bei der Steigerung des Wohnungsneubaus wolle Berlin aber verzahnt denken und besonders die technische und soziale Infrastruktur in den neuen Quartieren mitbedenken und planen.

Unterschiedliche Baukulturen

Eine Orientierung, wie weit zwei Städte im Bereich des geförderten Wohnbaus sind, brachte ein Zusammentreffen einer Berliner Delegation mit Wiener Bauträgern und Experten vor Ostern. Das Sonnwendviertel mit 5.000 Wohneinheiten, die Seestadt Aspern und das Gelände des Nordbahnhofs mit je etwa 10.000 Wohnungen bildeten dabei nicht nur eine Vergleichsgrundlage, sondern auch eine Möglichkeit zur Standortbestimmung.

So unterscheiden sich nicht nur die Baukulturen der beiden Städte. Mehr als drei bis vier Wohnungen pro Stockwerk zu erschließen, ist für den Berliner Wohnbau etwa schwer möglich - in Wien sind es dagegen sechs Wohneinheiten pro Stockwerk, was mehr Effizienz in der Herstellung von Nettowohnfläche schafft. „In Berlin“, so degewo-Chefin Jahn, „wäre das auch eine soziale Herausforderung.“

Doch Flächeneffizienz ist beim sozialen Wohnbau ein großes Thema. In Berlin hat man im Moment laut den Wiener Architekten Otto Höller und Oliver Scheifinger, die Wohnbauten in Wien und auch Berlin errichten, bei 100 Quadratmetern Neubau nur 65 Quadratmeter vermietbare Wohnfläche. Eine effizientere Flächennutzung schaffe auch Raum für soziale Gemeinschaftsflächen, wie etwa ein Besuch im neuen Sonnwendviertel zeigte.

Wie kommt man an die gute Lage?

Die größte Anforderung an den sozialen Wohnbau bleibt der Errichtungspreis für einen Quadratmeter Neubauwohnung. Um diesen zu erreichen, gilt es nicht nur bei den technischen und baulichen Maßnahmen ökonomisch effizient zu kalkulieren. Die Frage der Lage und der Grundstückspreis sind weitere zentrale Aspekte bei der Kalkulation.

In Berlin muss man für einen errichteten Quadratmeter deutlich sparsamer kalkulieren als in Wien, ist doch schon das Grundmietniveau in Berlin deutlich niedriger als in Wien. Auf der anderen Seite werde es, so Wilhelm Zechner von der Sozialbau AG, für die Bauträger immer schwieriger, im verdichteten Stadtraum an Flächen für den Wohnbau, die auch bezahlbar sind, zu kommen.

„Auch in Berlin explodieren die Grundstückspreise“, sagte Jahn und ergänzte: zumindest für Berliner Verhältnisse. Die degewo, die einen Bestand von 70.000 Wohnungen aufweist (im Vergleich: Wiener Wohnen hat 220.000 Einheiten, Sozialbau 48.000), nutzt einerseits ein Vorkaufsrecht von Grundstücken, die die Stadt veräußern will. Andererseits baut man dort, wo man schon Grundstücke besitzt.

„Wir brauchen den Wohnbau in der Stadt“

Für den grünen Wohnbauexperten Christoph Chorherr ist der soziale Wohnbau in der Stadt die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre. „Wir brauchen den Wohnbau in der Stadt, damit wir junge Familien nicht ins Umland abdrängen, weil sie sich mittlerweile nur noch dort das Wohnen leisten können und am Ende einen riesigen CO2-Fußabdruck produzieren, weil sie jeden Tag zum Arbeiten in die Stadt pendeln“, sagte Chorherr.

Geförderter Wohnbau im Süden von Wien: Flächen und Akzeptanz für große Wohnprojekte zu finden bleibt eine große Herausforderung.

Wien sei mit einem jährlichen Zuzug von 25.000 Menschen in seiner expansivsten Phase der Geschichte. „Die Grundstückskosten und Lagen in der Stadt sind für den sozialen Wohnbau die größte Herausforderung“, so Chorherr. Mittlerweile belaufe sich der Anteil der Grundstückskosten bei einem errichteten Wohnbauquadratmeter auf 60 bis 70 Prozent. Für Chorherr hat die Stadt in der Situation einer Niedrigzinspolitik die Chance, Kapital aufzunehmen, weil sie die besten Zinskonditionen bekomme - und dieses Geld solle sie dem sozialen Wohnbau für den Erwerb von Grundflächen zur Verfügung stellen.

Eine Frage der Akzeptanz

Bei der Errichtung neuer Wohneinheiten stellt auch die Akzeptanz der Projekte bei der Bevölkerung eine große Herausforderungen dar. Auch hier werden kulturelle Unterschiede zwischen dem Baustandort Wien und Berlin deutlich. „Es wird immer schwieriger, große Projekte zu entwickeln“, sagte Sozialbau-Vorstand Zechner, der mit seiner Genossenschaft auf eine jahrzehntelange Geschichte von Wohnungsentwicklungen zurückblickt.

„Das Wort Solidarität nimmt an Bedeutung ab“, sagte Zechner gegenüber ORF.at. Und er erinnerte daran, dass sich oft gerade jene gegen den Wohnungsausbau querlegten, die selber wenige Jahre davor in eine Gegend gezogen seien. „Dabei entwickeln wir ja soziales Wohnen und keine spekulativen Immobilienprojekte“, so Zechner, der in der Gegenwart die Erfahrung machte, dass auch die Erweiterung von Bürgerbeteiligungsverfahren nicht davor schütze, dass sich am Ende nicht doch Initiativen gegen größere Projekte starkmachten.

Wie bindet man Anrainer im Vorfeld ein?

Doch was Bürgerproteste im Vorfeld von Großprojekten anbelangt, steht Wien wie eine Insel der Seligen da. Der Blick nach Hamburg und Berlin offenbart: Auseinandersetzungen um neue Wohnbauprojekte können sogar ganz radikale Proteste auf die Straße ziehen. Hamburg setzt beispielsweise in Vierteln wie St. Pauli auf die Miteinbeziehung der Wohnbevölkerung, etwa bei der Neubebauung der Esso-Gründe - zu groß ist dort die Angst vor Bildern mit brennenden Straßenbarrikaden und entsprechenden Imageschäden für den gesamten Investitionsstandort.

In Berlin wiederum nagt man an der Ablehnung der Bebauung des Randes des ehemaligen Flugfeldes Tempelhof, gegen das sich die Bürger vehement stemmten Beobachter meinen sogar, dieser Entscheid habe Berlins ehemaligen Bürgermeister Klaus Wowereit mehr zugesetzt als die Kalamitäten um den neuen Berliner Großflughafen Schönefeld. Die degewo wolle jedenfalls, wie man in Wien erklärte, vor allem dort bauen, wo man schon bestimmte Grundstücksflächen hat.

Für den Bauträger bleibt die Schwierigkeit, die richtigen Flächen zu finden. „Wir brauchen sozialen Wohnbau dringender denn je“, sagte Zechner. Momentan fördere die Regierung Tausende neue Wohneinheiten mit dem neuen Konjunkturprogramm, aber: „Wir haben in Wien die Flächen nicht, wo wir große Projekte entwickeln können“, so der Sozialbau-Vorstand.

Wer sind die Zielgruppen der Zukunft?

Insgesamt stehen Berlin und Wien als Großstädte vor der Aufgabe, die Zielgruppen neu in den Blick zu nehmen, für die man letztlich baut. Laut Chorherr denkt man aber bei der Errichtung von gefördertem Wohnbau immer noch zu sehr an die klassische Familienform. „Dabei leben 40 Prozent der Menschen in Wien in Einpersonenhaushalten, 70 Prozent der Wohnbevölkerung sind Ein- oder Zweipersonenhaushalte“, so Chorherr, der auch auf den Bedarf an Wohnungen für Leute verweist, die sich nur temporär in der Stadt aufhalten.

Für die Politik stelle sich auch die Aufgabe, daran zu denken, dass die Menschen in ihren neuen Lebensdomizilen „nicht vereinzeln“. Insofern müsse der neue soziale Wohnbau auch Gemeinschafts- und Sozialflächen stark fördern.

„Stadt bauen statt Wohnsiedlung bauen“

Für den Architekten und Stadtforscher Robert Temel, der ebenfalls am Gipfeltreffen Wien-Berlin teilnahm, geht es am Ende nicht nur um eine Frage der Lage. „Natürlich muss man in stadtnahen Lagen und nicht in der Pampa bauen“, so Temel. Zu bedenken gebe ihm, dass der geförderte Wohnbau ja selbst neue Lagen mache.

Er sagte außerdem, dass man vor allem den kostengünstigen Wohnbau nicht aus den Augen verlieren dürfe: „Seit ein paar Jahren wird wieder stärker darauf geachtet, dass es auch neue Wohnungen für die unteren Einkommensschichten gibt, das sind jetzt die sogenannten SMART-Wohnungen.“ Generell, konstatierte Temel, sei der geförderte Wohnbau in Wien eher mittelstandsorientiert.

„Stadt bauen statt Wohnsiedlungen bauen“, sagte der Stadtforscher und fasste damit seine Grundmaxime zur Weiterentwickeln des Wohnens in der Stadt zusammen. Der Fokus auf die Wohnraumversorgung führe dazu, dass andere Aspekte der Stadt vernachlässigt würden: „Erdgeschoßzonen, Integrieren von Gewerbe, Büros, Freizeit, Kultur u. ä. - das ist ein langjähriges Problem, für das es bis heute keine Lösung gibt.“ Erste Ansätze in diese Richtung könne man aber in Aspern und bei dem Projekt „Leben am Helmut-Zilk-Park“ beim Wiener Hauptbahnhofareal sehen.

Gerald Heidegger, ORF.at

Debatte zum Thema "Was braucht Wien beim Wohnen?"

http://orf.at/stories/2286310/

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